Auf die Seifenkiste, fertig, los!
Von Tretautos und Holzkisten...
Schon vor über hundert Jahren rasten Kinder und Jugendliche in mehr oder weniger fahrbaren Untersätzen die Straßen hinunter. Mit handgefertigten Fahrzeugen aus zusammengenagelten Apfelsinenkisten oder in Blechwannen, mit Rädern aus ausgedienten Kinderwagen. Die Fahrzeuge waren automobil - selbst bewegend. Sie waren windschnittig und sahen ziemlich cool aus. Mussten sie auch, denn schließlich gab es den "Grand Prix" des Motorsports, die Mors- oder Panhards-Rennwagen und andere große Vorbilder. Und das Rennfieber steckte kleine wie große Rennfahrer an. Das erste Kinderautomobilrennen der Welt fand aber nicht in Silverstone statt, nicht in Monza, Melbourne oder Magny Cours. Das erste Kinderautomobilrennen fand 1904 im hessischen Oberursel statt.
... originellen Seifenpackungen...
Das Rennfieber kam aus Deutschland, steckte Europa an und infizierte auch die USA. Dort hatte ein cleverer Seifenfabrikant 1933 die geniale, werbewirksame Idee: Er ließ Baupläne für ein kleines, einfaches Kinderautomobil auf seine mit Seifen gefüllten Transportkisten malen. Ein Volltreffer! Die Nachfrage war so groß, dass er den Kisten ganze Bausätze beilegte: Räder, Lenker und Bremsen. Die "soap box" war ein Verkaufsschlager - die Seifenkiste wurde berühmt!
Waren die Seifenkisten damals noch ungebremst - als Bremse diente der herausgehaltene Fuß - und ungelenk(t), entwickelte sich bald schon ein richtiger Sport daraus. Mit strengen Bauvorschriften. Vorgegeben waren das Maß und der genaue Aufbau einer Kiste und es gab Spezialräder. Klar war natürlich, dass die Fahrzeuge selbst gebaut sein mussten. Und streng die Teilung: Jungs steuernd in den Rennkisten, Mädchen jubelnd am Straßenrand.
"Schon seit Wochen brüten die Rennfahrer in spe mit heißen Köpfen über ihren Konstruktionsplänen, basteln, hämmern und nageln an ihren Seifenkisten. Die komplizierten Renn- und Konstruktionsvorschriften sind auf 20 Seiten bis in kleinste Details festgelegt. Jeder Teilnehmer ist angehalten, sein Fahrzeug in der vorgeschriebenen Größe möglichst selbst zu bauen..." Hans Aschenbrenner, Über das erste Seifenkistenrennen im Nachkriegsberlin, 16. Juli 1949. In: Edition Luisenstadt, 1999.
... und handgefertigten Unikaten!
Vieles hat sich bis heute verändert. Die heutigen Straßenflitzer erinnern nur noch namentlich an ihre Vorbilder. Sie bestehen aus Glasfasern, nicht mehr aus Holz. Die Helmpflicht hat sich durchgesetzt, ebenso Bremsen, Lenker und "Liegekisten". Es gibt pro Jahr fast 50 spannende Rennen in Deutschland, Hallenrennen und ebenso viele seifenkistenbegeisterte Mädchen wie Jungen.
Gleichgeblieben ist aber, dass am Start ausschließlich Unikate stehen. Wie bei uns - nostalgisch aus Blech!
Autorin: Ursi Zeilinger


























