Märchen

Grimmsche Märchen

Es waren einmal…

… fabelhafte Erzählungen, von gestiefelten Katern, bösen Hexen, von wunderschönen Prinzessinnen und mutigen Prinzen. Es waren einmal fantastische Geschichten, von gütigen Feen, verwunschenen Rehen, von verzauberten Wäldern und fleißigen Goldmarien. Es waren einmal wunderbare Begebenheiten, von hungrigen Wölfen, rechtschaffenden Zwergen, von tapferen Schneidern und eifersüchtigen Königinnen. 

So war es von Generationen zu Generation überliefert. Von Mund zu Mund, denn Märchenbücher gab es damals noch keine. Das Wort Märchen kommt von dem mittelhochdeutschen "Maere" und das bedeutet Erzählung, Kunde, Nachricht.

Die Nachricht der Märchen machte schnell die Runde. Die Menschen versammelten sich bei Kerzenlicht in ihren Stuben. Sie spielten, sangen, verrichteten ihre Heimarbeit und erzählten sich solche gruselige Geschichten. Und die Welt barg überall Geheimnisse. Die Menschen hatten viel zu fürchten: wilde Tiere, dunkle Wälder, streunende Räuber, aber auch Hunger, Seuchen oder Krankheiten. Märchenerzähler wanderten von Ort zu Ort und zogen die Menschen mit ihren Erzählungen in ihren Bann. Und am Ende siegte immer das Gute über das Böse.

Das faszinierte auch die Brüder Grimm. Jacob und Wilhelm wollten all diese Geschichten bewahren und trugen sie zusammen. Ihre Sammelleidenschaft sprach sich schnell herum, so dass sie nicht weit übers Land ziehen mussten. Überall hatten die Grimms bald Informanten, die sie mit Märchen versorgten: Sie erzählten von Froschkönig und Rumpelstilzchen, von den sieben Zwergen und von Brüderchen und Schwesterchen, von Schneewittchen, Dornröschen, Hänsel und Gretel und von Rotkäppchen.

Meist waren es Frauen. Sie konnten sich die Geschichten Herumreisender besonders gut merken. Sie hatten ein exzellentes Gedächtnis und konnten sich die Geschichten oft bis ins Hohe Alter merken und immer wieder wortgetreu wiedergeben. Die wichtigsten "Märchenfrauen" der Grimms waren Marie Hassenpflug und Dorothea Viehmann. Sie erzählten den Brüdern mehr als 60 Geschichten und Jacob und Wilhelm schrieben alles auf. Sie änderten dabei keine Inhalte, gaben den Erzählungen aber ihren persönlichen Stil. 

1812 erschien der erste Märchenband der Brüder Grimm unter dem Titel "Kinder- und Hausmärchen (KHM)". In der Vorrede hieß es: "Es war vielleicht gerade die Zeit, diese Märchen festzuhalten, da diejenigen, die sie bewahren sollten, immer seltener werden." Und es folgten immer wieder überarbeitete Neuauflagen. Die Sammlung umfasste schließlich 240 so genannter Volksmärchen.

Die Märchen der beiden Brüder funktionieren noch heute! Sie sind inzwischen in mehr als 160 Sprachen übersetzt und zählen zu den bekanntesten Büchern der deutschen Kulturgeschichte. Die Unesco hat sie am 17. Juni 2005 in das "Weltdokumentenerbe der Vereinten Nationen" aufgenommen.

…und wenn sie ihren Zauber nicht verloren haben, so werden sie noch heute erzählt ;-)

Autorin: Ursi Zeilinger

Spieletipp

"Da stimmt was nicht" von HABA

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer findet die meisten Fehler im ganzen Land?
Die Kinder hören das Märchen vom Schneewittchen, doch da stimmt was nicht...

Lernspiel für 2 bis 6 Zwerge von 4 - 6 Jahren

Spieldauer ca. 5 - 10 Minuten

Spielidee: Manfred Reindl

Illustration: Martina Leykamm